...
Hyperhidrose – Das Leben mit dem krankhaften Schwitzen
- an Händen und Füßen
- am Kopf
- unter den Armen
- oder am ganzen Körper
Dies ist eine Informationsseite zu einer Erkrankung, die bisher leider wenig Aufmerksamkeit erlangt hat und daher sogar vielen betroffenen Menschen selbst unbekannt ist!
Durch jahrelange eigene Erfahrungen möchten wir nun anderen Betroffenen helfen, zu erfahren, was mit ihrem Körper los ist!
Außerdem sollen Menschen OHNE diese Erkrankung sensibilisiert werden, um das persönliche Leid eines Hyperhidrose-Betroffenen durch ein wenig Verständnis einzudämmen.
Hyperhidrose ist eine Erkrankung, bei der ein Nervenstrang namens „Symphatikus“ überaktiv ist. Dieser Nerv befindet sich entlang der Wirbelsäule und verläuft in zwei zueinander parallel angeordneten Strängen und ist unter anderem für die Temperatur-Regelungen im Körper zuständig! Menschen, bei denen der Symphatikus-Nerv überaktiv ist, können an folgenden Krankheitssymptomen leiden:
- Starkes Schwitzen an den Händen, meist gepaart mit gleichzeitig starkem Schwitzen an den Füßen
- Starkes Schwitzen am Kopf
- Starkes Schwitzen unter den Armen (Achseln)
- Starkes Schwitzen am gesamten Körper
- Erröten des Gesichts
... alles ohne zuvor jeglicher Anstrengung ausgesetzt gewesen zu sein.
In den USA wurde 2003 eine Studie durchgeführt, bei der herauskam, dass 7,8 Millionen US-Amerikaner an Hyperhidrose leiden - davon leiden 50,8 % an starkem Schwitzen unter den Armen.
Wenn man diese Zahlen auf die Weltbevölkerung hochrechnet, ergibt sich, dass über 25 Millionen Menschen oder 3 % der Bevölkerung von diesem Leiden betroffen sind.
Das heißt, in Deutschland sind etwa 2,5 Millionen Menschen betroffen und die meisten davon wissen nicht einmal, wie diese Erkrankung heißt!
Wir sind drei Mädels die sich durch diese Besonderheit im Juli 2010 im Krankenhaus in München kennengelernt haben.
Hier schreiben wir unsere Geschichten nieder, um aufzuzeigen, wie unterschiedlich das Leben mit Hyperhidrose verlaufen kann, wenn man mit ihr von Geburt an aufwächst oder wenn sie auf ein Mal im Leben ausbricht. Und es zeigt sich doch, wie ähnlich Erkrankte sie empfinden. Wir hoffen, andere Betroffene zu erreichen und ihnen helfen zu können!
JANINE:

e-mail: jini.happy@hotmail.de
Ich bin jahrelang durch die Hölle gegangen -
habe mich aus dem sozialen Leben isoliert und meinem Leben keinen Sinn mehr gegeben!
Mir konnte trotz vieler Arztbesuche kein Arzt sagen, was mit meinem Körper falsch ist!
Ich schreibe meine persönliche Geschichte zu diesem Thema, weil die Aufklärung über diese Krankheit absolut mangelhaft ist – da schwitzen entweder tabuisiert wird oder Anlass zum Ekel und Lustigmachen gibt! Traurig aber wahr!
Ich war 20 Jahre alt, es war im Frühjahr/Sommer 2006 und ich merkte das erste Mal in meinem Leben, dass ich plötzlich mehr schwitze, als jemals zuvor. Mir fiel auf, dass meine Füße in Schweiß badeten, obwohl ich Flip Flops anhatte. Der Schweiß tropfte regelrecht ab.
Das Gleiche betraf kurz darauf genauso meine Hände. Plötzlich war es da und hörte von da an nicht mehr auf!
(An den Händen war es noch viel schrecklicher, denn sie sind diejenigen, mit denen man einfach alles im Leben macht!)
Im gleichen Sommer begann ich mein Abitur an einer neuen Schule nachzuholen. Doch ich bemerkte sofort, dass ich sobald ich mich meldete und die Aufmerksamkeit mir gehörte, KNALLROT anlief! Das kannte ich bis dahin genauso wenig von meinem Körper – weder aus meiner früheren Schulzeit, noch aus meiner Ausbildungszeit als Zahnarzthelferin - zumindest nicht in dieser Ausprägung.
Diese zwei Faktoren, 1. das Schwitzen und 2. das Rotwerden, begleiteten von nun an mein Leben und beherrschten mich. (Das Rotwerden führe ich heute darauf zurück, dass ich mir generell plötzlich unsicher in meinem Körper vorkam, aus Angst, jemand könnte bemerken, dass ich vermehrt schwitze.)
Es dauerte nicht lange, bis ich mehr Zeit bei Ärzten verbrachte als irgendwo anders. Ich wollte wissen was mit meinem Körper los ist. Was dahinter steckt. Ob ich eine Krankheit habe, die Schuld an diesem abnormalen schwitzen ist. Ich wollte wissen, warum ich im Winter im T-Shirt am offenen Fenster sitzen musste, damit ich halbwegs das Schwitzen in Schach halten konnte.
Diese ganze Arzt-Odyssee schreibt eine lange Liste über sämtliche Fachgebiete:
- 2 Allgemeinärzte
- 2 Internisten
- Gastroenterologe
- Gynäkologe
- Endokrinologe
- Medizinische Hochschule Hannover (ebenfalls endokrinologische Abteilung)
- 2 Radiologen und Nuklearmediziner
- Dermatologe
- 2 Ärzte für Naturheilverfahren
- Heilpraktiker
Ich ließ sämtliche Untersuchungen über mich ergehen, mir wurde zig Male Blut abgenommen, ich nahm irgendwelche Mittel und Tabletten. Ich wollte einfach nur normal sein!
Und weil alles nichts half, begegnete mir jeder Arzt mit dem netten Ratschlag, einen Psychologen aufzusuchen. Ich dachte selbst schon, ich hätte eine psychische Störung und das wäre der Grund für mein Schwitzen und so reihte sich schließlich auch eine Psychologin in meine lange Ärzteliste
Irgendwann durch Zufall, nachdem ich 4 Jahre lang ALLES versucht habe, nachdem ich mich über mehrere Sommer hinweg zu Hause verkrochen habe und nur zwei Freundinnen in mein Leid eingeweiht hatte, selbst meinen Eltern lange nichts davon erzählte und mich bis ins Letzte schämte, ich zwischendurch trotz allem in der Schule meine neue große Liebe kennen lernte und selbst vor IHM ein halbes Jahr lang versucht hatte, meine Hände zu verstecken, da erst traf ich auf eine Homepage eines Facharztes in München, der sich genau mit dieser Erkrankung auseinander setzt. Vier Jahre lang habe ich alles Mögliche versucht, meine Hände zu verstecken! Wie beim Bezahlen an der Kasse im Supermarkt, wo ich vorher noch schnell die Hände an der Hose abzuwischen versuchte. Händeschütteln zu vermeiden. Und auf die Frage: "Iiiieh, hast du Schwitzehände?" cool zu reagieren… Arbeiten mit Papier? Unmöglich!
Trotzdem habe ich es geschafft mein Abitur zu schreiben – die Klausuren musste ich nach 6 Stunden übelst gewellt abgeben. Mein Zeugnis habe ich mich nicht mal getraut aus der Plastikschutzhülle raus zunehmen und aufzublättern – es hätte sich ebenso gewellt!
Kurz nach meinen Prüfungen habe ich mich bei dem genannten Facharzt in München vorgestellt. Ich war mit meinen Nerven am Ende, ein depressives Wrack und zum ersten Mal wusste wirklich jemand, wovon ich spreche!!!!!
Der Arzt erklärte mir, dass diese sogenannte „Hyperhidrose“ rein gar keinen anderen Grund habe, als einen Gendefekt! Bei Menschen mit dieser Erkrankung ist einfach irgendein Schalter anders umgelegt, als bei anderen Menschen. Bei den einen tritt dies schon im Kindesalter in Erscheinung, bei anderen ab der Pubertät und bei Fällen wie mir erst im jungen Erwachsenenalter.
Im Juli habe ich mich einer speziellen Operation unterzogen, bei der dieser sogenannte Symphatikusnerv an einem bestimmten Knotenpunkt auf Brusthöhe mit Titanklammern abgeklemmt wurde. Jeweils an beiden parallel laufenden Nervensträngen.
Seitdem schwitze ich überhaupt nicht mehr an den Händen, an meinen Füßen weniger und mein Leben hat sich drastisch verändert! Das was mir vorher nicht möglich war – mache ich jetzt mit viel Geduld und Freude: Arbeiten mit meinen Händen! Ob es malen, basteln, werkeln oder nähen ist – ich bin wieder ein vollwertiger Mensch! Jedoch was geblieben ist, ist oft der Rückzug von Menschen. Manche habe ich sehr vor den Kopf gestoßen und Freunde sind mir nur noch wenige geblieben.
Ich weiß nicht wie oft ich zu Hause saß und mir wünschte, morgen nicht mehr aufzuwachen. Wie oft ich dachte, ich sei kein Mensch mehr und vor allem, wie oft ich dachte ich sei mit dieser Krankheit nicht liebenswert! Und ich kann nur sagen, zum Glück hatte (und habe auch immer noch) meinen Freund an meiner Seite, der mir immer wieder mit viiiiiiel Geduld zuhörte und der Mensch war, dem ich mich mit diesem Thema bis ins letzte Detail anvertrauen konnte. Ich habe lange ein Doppelleben geführt: Auf der einen Seite war ich die fröhliche Janine, die gesellig und aufgeschlossen war und auf der anderen Seite – und das war die Seite die nicht mal mir nahe stehende Menschen zu Gesicht bekommen haben – die Janine mit einer Krankheit welche ihr Leben fest im Griff hatte. Deshalb werden sich einige Menschen über dieses Geständnis wundern und dennoch gehe ich diesen Weg, weil ich das Thema „Krankhaftes Schwitzen“ enttabuisieren möchte!!
Ein Buch was mir in der Zeit sehr gut half:
http://www.amazon.de/schwitze-Ursachen-Ph%C3%A4nomene-Therapien-Demand/dp/3898112675/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1289743038&sr=8-1
Link zur Infoseite des Arztes in München:
http://www.dhhz.de/
Link zu einem Beitrag von SternTV zum Thema:
http://www.stern.de/tv/sterntv/laser-therapie-gegen-krankhaftes-schwitzen-hilfe-bei-hyperhidrose-1615346-video.html
IRINA:

e-mail: irina.wambach@gmx.de
Also, Hyperhidrose hab ich schon seitdem ich denken kann. So richtig bewusst ist es mir glaub ich so mit 12, 13 geworden. Ich hab früher geturnt und das musste man barfüssig machen. Meine Fußabdrücke waren überall auf dem Boden.
Später irgendwann haben wir auch noch mit Partnerakrobatik angefangen und da ich die Kleinste war, musste immer ich überall rauf. Da hatte ich dann extreme Berührungsängste und Angst, dass es jemand ekelig findet oder mich drauf anspricht. Wusste ja zu dem Zeitpunkt nicht, dass das viel mehr Menschen haben und nicht nur ich und ich hab ja auch mit keinem darüber gesprochen. Aber ich dachte, da muss ich durch, dagegen kann man ja nix machen. Mein Hobby war mir einfach wichtiger!
Auch das ganz selbstverständliche Begrüßen durch einen Händedruck war eine Qual. Ich musste immer noch mal schön die Hände an der Jeans abtrocknen.
Als ich dann irgendwann meinen ersten Freund hatte, konnte ich auch nicht mit ihm Händchenhalten. Hab aber auch noch nie mit einem meiner Freunde darüber geredet.
Im Sommer war es immer ganz schlimm für mich, wenn alle mit Flip Flops bzw. offenen Schuhen rumgelaufen sind. Bei mir ging das nicht, da ich in denen keinen Halt hatte, ich wäre nur vor lauter Schweiß darin herumgerutscht. Geschweige denn mal schöne, offene, hohe Schuhe anziehen. Mich hat immer jeder gefragt, wie ich es bei der Hitze in den Turnschuhen aushalte!????? Meine Antwort war, dass ich nicht so gern offene Schuhe trage und außerdem meine Füße nicht so schön finde! In meinen Händen haben sich auch nur Pfützen gebildet. Ich war immer mit den Händen an meiner Hose um sie zu trocknen. Beim Sitzen waren die Hände auf dem Schoß zwischen die Beine geklemmt oder unter den Oberschenkeln. Zum verstecken und um den Schweiß abzuwischen.
Urlaube waren auch immer ein Traum, wenn alle gemeinsam den Strand verlassen und den Sand locker flockig von den Füßen putzen. Da hatte ich keine Chance: an meinen Händen und Füßen klebte alles.
Dann hab ich mit 17 meine Lehre in einem Fitnessstudio zur Sport- und Fitnesskauffrau angefangen. Wenn ich Kunden ihn ihrer Haltung korrigieren musste, hab ich immer aufgepasst nur aufs Shirt zu langen, damit sie nicht meine Schweißhände bemerken.
Irgendwie wurde ich mit dem Problem immer mehr konfrontiert und dann ging ich doch mal zum Arzt (Hautarzt). Ich wusste ja nicht, dass das Schwitzen was mit einem Nerv zu tun hat, sonst wäre ich vielleicht noch mal zu einem Neurologen gegangen. Aber ob der mir hätte helfen können wäre auch in den Sternen gestanden, da zu wenige Ärzte über dieses Thema aufgeklärt sind. LEIDER. Der besagte Arzt konnte mir allerdings auch nicht viel weiterhelfen. Zuerst hab ich spezielles Puder verwendet und dann meine Hände und Füße mit einer Aluminiumlösung eingeschmiert. Hat alles nix geholfen.
Pillen wollt ich nicht schlucken und eine Strombadtherapie wäre das Nächste gewesen.
Irgendwann ca. 2008 saß ich mit zwei Freundinnen auf der Terrasse und die eine sagte zur anderen: „Weißt du noch wie ich so arg an den Händen geschwitzt hatte?“ Nur dadurch (man redet einfach nicht so gern darüber wie arg man schwitzt, ist halt kein Unterhaltungsthema) kam ich mit ihr darauf zu sprechen und sie erzählte mir von einer OP in München bei dem Spezialisten Dr. Schick. Der einzige Arzt in Deutschland, der sich auf das Problem spezialisiert hatte.
Ich hab damals gleich einen Infotermin ausgemacht – und den OP-Termin (März 2009) ausgemacht- und ein Problem war schon mal aus der Welt. Hab mich wie frisch geboren gefühlt und konnte es ganz lang noch nicht glauben! Nach einer Woche hab ich wieder ganz normal arbeiten können.
Jetzt gab es nur noch das Problem mit den Füßen. Hab mir schon gedacht, dass ich das auch bald machen lasse, aber dass es dann doch so schnell ging hätte ich nicht gedacht.
Nachdem ich meine erste Ausbildung abgeschlossen hatte, wollte ich mir unbedingt noch den Traum erfüllen und eine Tanzausbildung machen. Das war dann aber nicht so einfach mit Schweißfüßen, da man auch viel barfuß tanzen muss. Es war mal wieder eine rutschige Angelegenheit. Da man da auch viele Kontaktimprovisationen machen muss, konnte ich mich nie ganz darauf konzentrieren, da ich immer damit beschäftigt war, darauf zu achten, dass niemand meine Schwitzefüße berührt.
Dann beschloss ich mit meiner besagten Freundin, dass wir zusammen die Fuß- OPs machen lassen. War ganz lustig zusammen. Kristina und ich waren zu zweit im Krankenhaus in einem 2er Zimmer und haben uns noch mal den letzten zwei OPs unterzogen. Danach hatten wir aber auch die Schnauze voll von Krankenhäusern und waren auch froh endlich schwitzfrei zu sein. :-) Bei unseren ersten OPs lernten wir Janine im Krankenhaus kennen, sie wurde am gleichen Tag für die Hände operiert.
Nach den OPs haben wir erst mal kräftig Schuhe eingekauft. Man fühlt sich einfach anders, wie ein neuer und freier Mensch und man wird auch viel selbstbewusster. Die OPs lohnen sich, sie verändern das ganze Leben………
KRISTINA:

e-mail: Kristina_Reul@mail.de
Hyperhidrose habe ich vermutlich von Geburt an.
Bewusst wahrgenommen habe ich sie jedoch erst in der Schulzeit. Damals habe ich von „meinem“ Arzt weiße Stoffhandschuhe „verschrieben“ bekommen um die Hefte nicht durchzuweichen und vor Blut zu schützen welches durch die extrem rissigen Hände kam.
Eigentlich eine Sache die nicht zusammenpasst. Zu jeder Jahreszeit waren die Hände tropfnass und gleichzeitig ausgetrocknet und rissig. Genauso die Füße, nur die kann man besser verstecken.
Von den Ärzten in Bamberg gab es keine genaue Diagnose und auch keine ausführliche Untersuchung geschweige denn hat jemand den Begriff „Hyperhidrose“ genannt, den hörte ich das erste mal als ich 20 war. So hätte man sich damals schon durch´s Internet kämpfen können, aber ohne Krankheitsbezeichnung keine Internetsuche…
Ich bekam Aluminiumchlorid-Salben verschrieben, welche zu keiner Zeit eine Besserung der HH zeigten. Es war für mich eine Ironie die Hände mit einer Salbe einzucremen, sie ließ sich ja wegen der ganzen Nässe gar nicht erst auftragen! Ich habe die Hände dann vor dem Schlafengehen eingecremt und nachts Handschuhe getragen.
Danach bekam ich ein Wasserbad mit nach Hause, welches mittels eines Gleichstroms das Schwitzen bekämpfen bzw. einschränken sollte. Das erzielte aber auch nicht den gewünschten Erfolg.
Unter den ganzen Ärzten traf ich dann noch auf einen der mir zu Botox riet, ein Nervengift welches in Hände und Füße gespritzt wird, maximal ein halbes Jahr das Schwitzen stoppt und auch noch selbst bezahlt werden muss! Das war auf jeden Fall keine Lösung – zumindest nicht für mich…
Danach war Schluss, ich war bereit (ich kannte es ja auch nicht anders) mit dem Schwitzen zu leben. Es war auch eigentlich nicht schwer, man entwickelt mit der Zeit Tricks durch die kein Mensch die nassen Hände/Füße bemerkt. Es schränkt nur ungemein ein! Man muss nur mal versuchen sich mit tropfnassen Händen zu schminken, etwas zu schreiben ohne ein Handtuch unterzulegen, ein Geschenk einzupacken, eine Zeitschrift zu lesen, usw. usw., geschweige denn jemanden die Hand zu geben… Nie Barfuss laufen zu können (wenn dann nur in den eigenen 4 Wänden und danach den Boden wischen), im Sommerurlaub nicht einfach die Füße von Sand und Schmutz befreien und Schuhe anziehen zu können (das ist nach 5 Minuten alles nur Matsch), keine offenen Schuhe anziehen zu können (damit meist verbunden auch keine Kleider oder Röcke), mit Socken zu schlafen dass die Füße nicht die Bettwäsche unter Wasser setzen, usw. usw…
Als ich meinen Führerschein gemacht habe musste mir der Fahrlehrer Taschentücher geben, die ich zwischen Hand und Lenkrad geklemmt habe. Als ich dann selbst Autofahren durfte habe ich mir angewöhnt nur noch die Handgelenke auf das Lenkrad aufzulegen, dass die Handflächen frei sind und evtl. von der Lüftung etwas getrocknet werden. Genauso wie ich meine Hände zwischen oder unter die Beine klemme wenn ich irgendwo sitze, sie an der Jeans abwische bevor ich jemanden begrüße und meine Füße am Strand im Sand vergrabe! Das alles mache ich sogar heute noch bis mir einfällt dass das vorbei ist :-)
Als ich 20 Jahre (d. h. 2007) alt war fand meine Mutter zufällig(!) im Internet das für die Sendung „Wunderwelt Wissen“ eine Person mit krankhaftem Schwitzen gesucht wird.
Als Gage gäbe es eine OP die das Schwitzen für immer Ausschalten würde!
Natürlich meldete sie mich sofort an. Dann ging auch alles recht schnell, ich bekam einen Gesprächs-Termin bei einem Arzt in München – noch nie gehört aber laut Internet ein Wunderheiler! Und so war es dann auch! (nur nebenbei, der Dreh für „Wunderwelt Wissen“ fand nicht statt, da die „Gage“ - sprich die OP - eh von der Krankenkasse übernommen wurde, die Sendung wurde mit einer anderen Person ausgestrahlt).
Der gute Mann wollte der Hyperhidrose mittels einer Nervenblockade ein Ende setzen.
Die ELS für die Hände verlief gut, stationärer Aufenthalt von 4 Tagen. Die Operation für die Füße wird auf zwei Operationen gelegt, das heißt ein Aufenthalt von 3 Tagen (die erste Nacht darf leider nicht in der Klinik verbracht werden, man kommt erst direkt zur OP), dann ca. 2 – 3 Wochen Wartezeit und noch mal ein stationärer Aufenthalt von 3 Tagen. Die Zeit dazwischen ist etwas seltsam, mit einem trockenen und einem nassen Fuß.
Die Operation „an den Händen“ 2007 und die beiden OP´s „an den Füßen“ im Juli und August 2010 haben sehr viel verändert und ich würde sie jeden Tag wiederholen, trotz des kompensatorischen Schwitzens, den immer noch ausgetrockneten Händen und Füßen sowie Risiken der OP (welche bei mir oberflächliche Taubheit eines Teiles des rechten Oberschenkels waren – sollte sich in ca. einem Jahr wieder reguliert haben).
Mittlerweile schwitzen meine Hände wieder wenn es sehr heiß ist oder ich Sport mache. Das heißt das Schwitzen wurde nicht ganz ausgelöscht aber es wurde normalisiert, weniger als das bei „normalen“ Menschen wahrscheinlich, aber ich denke wenn man sich mal 23 Jahre mit dem Thema „Schweiß“ beschäftigt hat nimmt man ihn viel eher wahr. An den Füßen ist das noch nicht der Fall, da sieht man nicht mal bei 30 Grad und Sport eine Schweißperle, vermutlich weil die Operationen noch nicht so lange her sind.
Das kompensatorische Schwitzen hat sich in den Bereich des Oberkörpers verlagert, was sich darin zeigt, dass bei Hitze oder Anstrengung z.B. der Rücken stärker schwitzt, was auch im Extremfall(!) an der Kleidung zu sehen ist.
Heute, 6 Titanklammern und 20 paar offene Schuhe später, ist die Krankheit besiegt! :-)
Und das ist noch nicht alles, 20 Jahre lang habe ich mit keinem Menschen (außer meinen Eltern und meinem Freund) darüber gesprochen. Wenn mich jemand darauf angesprochen hat, habe ich irgendeinen Quatsch erzählt.
Durch die erste OP habe ich die Scheu davor verloren, ich habe es jedem erzählt der es wissen wollte und somit auch innerhalb kürzester Zeit eine neue Patientin „geworben“.
Ca. ein Jahr später kam auch schon die 2te die es zufällig in einem Gespräch mitbekam. Eine enge Freundin (Irina, siehe oben) und wir wussten nichts voneinander!
- an Händen und Füßen
- am Kopf
- unter den Armen
- oder am ganzen Körper
Dies ist eine Informationsseite zu einer Erkrankung, die bisher leider wenig Aufmerksamkeit erlangt hat und daher sogar vielen betroffenen Menschen selbst unbekannt ist!
Durch jahrelange eigene Erfahrungen möchten wir nun anderen Betroffenen helfen, zu erfahren, was mit ihrem Körper los ist!
Außerdem sollen Menschen OHNE diese Erkrankung sensibilisiert werden, um das persönliche Leid eines Hyperhidrose-Betroffenen durch ein wenig Verständnis einzudämmen.
Hyperhidrose ist eine Erkrankung, bei der ein Nervenstrang namens „Symphatikus“ überaktiv ist. Dieser Nerv befindet sich entlang der Wirbelsäule und verläuft in zwei zueinander parallel angeordneten Strängen und ist unter anderem für die Temperatur-Regelungen im Körper zuständig! Menschen, bei denen der Symphatikus-Nerv überaktiv ist, können an folgenden Krankheitssymptomen leiden:
- Starkes Schwitzen an den Händen, meist gepaart mit gleichzeitig starkem Schwitzen an den Füßen
- Starkes Schwitzen am Kopf
- Starkes Schwitzen unter den Armen (Achseln)
- Starkes Schwitzen am gesamten Körper
- Erröten des Gesichts
... alles ohne zuvor jeglicher Anstrengung ausgesetzt gewesen zu sein.
In den USA wurde 2003 eine Studie durchgeführt, bei der herauskam, dass 7,8 Millionen US-Amerikaner an Hyperhidrose leiden - davon leiden 50,8 % an starkem Schwitzen unter den Armen.
Wenn man diese Zahlen auf die Weltbevölkerung hochrechnet, ergibt sich, dass über 25 Millionen Menschen oder 3 % der Bevölkerung von diesem Leiden betroffen sind.
Das heißt, in Deutschland sind etwa 2,5 Millionen Menschen betroffen und die meisten davon wissen nicht einmal, wie diese Erkrankung heißt!
Wir sind drei Mädels die sich durch diese Besonderheit im Juli 2010 im Krankenhaus in München kennengelernt haben.
Hier schreiben wir unsere Geschichten nieder, um aufzuzeigen, wie unterschiedlich das Leben mit Hyperhidrose verlaufen kann, wenn man mit ihr von Geburt an aufwächst oder wenn sie auf ein Mal im Leben ausbricht. Und es zeigt sich doch, wie ähnlich Erkrankte sie empfinden. Wir hoffen, andere Betroffene zu erreichen und ihnen helfen zu können!
JANINE:

e-mail: jini.happy@hotmail.de
Ich bin jahrelang durch die Hölle gegangen -
habe mich aus dem sozialen Leben isoliert und meinem Leben keinen Sinn mehr gegeben!
Mir konnte trotz vieler Arztbesuche kein Arzt sagen, was mit meinem Körper falsch ist!
Ich schreibe meine persönliche Geschichte zu diesem Thema, weil die Aufklärung über diese Krankheit absolut mangelhaft ist – da schwitzen entweder tabuisiert wird oder Anlass zum Ekel und Lustigmachen gibt! Traurig aber wahr!
Ich war 20 Jahre alt, es war im Frühjahr/Sommer 2006 und ich merkte das erste Mal in meinem Leben, dass ich plötzlich mehr schwitze, als jemals zuvor. Mir fiel auf, dass meine Füße in Schweiß badeten, obwohl ich Flip Flops anhatte. Der Schweiß tropfte regelrecht ab.
Das Gleiche betraf kurz darauf genauso meine Hände. Plötzlich war es da und hörte von da an nicht mehr auf!
(An den Händen war es noch viel schrecklicher, denn sie sind diejenigen, mit denen man einfach alles im Leben macht!)
Im gleichen Sommer begann ich mein Abitur an einer neuen Schule nachzuholen. Doch ich bemerkte sofort, dass ich sobald ich mich meldete und die Aufmerksamkeit mir gehörte, KNALLROT anlief! Das kannte ich bis dahin genauso wenig von meinem Körper – weder aus meiner früheren Schulzeit, noch aus meiner Ausbildungszeit als Zahnarzthelferin - zumindest nicht in dieser Ausprägung.
Diese zwei Faktoren, 1. das Schwitzen und 2. das Rotwerden, begleiteten von nun an mein Leben und beherrschten mich. (Das Rotwerden führe ich heute darauf zurück, dass ich mir generell plötzlich unsicher in meinem Körper vorkam, aus Angst, jemand könnte bemerken, dass ich vermehrt schwitze.)
Es dauerte nicht lange, bis ich mehr Zeit bei Ärzten verbrachte als irgendwo anders. Ich wollte wissen was mit meinem Körper los ist. Was dahinter steckt. Ob ich eine Krankheit habe, die Schuld an diesem abnormalen schwitzen ist. Ich wollte wissen, warum ich im Winter im T-Shirt am offenen Fenster sitzen musste, damit ich halbwegs das Schwitzen in Schach halten konnte.
Diese ganze Arzt-Odyssee schreibt eine lange Liste über sämtliche Fachgebiete:
- 2 Allgemeinärzte
- 2 Internisten
- Gastroenterologe
- Gynäkologe
- Endokrinologe
- Medizinische Hochschule Hannover (ebenfalls endokrinologische Abteilung)
- 2 Radiologen und Nuklearmediziner
- Dermatologe
- 2 Ärzte für Naturheilverfahren
- Heilpraktiker
Ich ließ sämtliche Untersuchungen über mich ergehen, mir wurde zig Male Blut abgenommen, ich nahm irgendwelche Mittel und Tabletten. Ich wollte einfach nur normal sein!
Und weil alles nichts half, begegnete mir jeder Arzt mit dem netten Ratschlag, einen Psychologen aufzusuchen. Ich dachte selbst schon, ich hätte eine psychische Störung und das wäre der Grund für mein Schwitzen und so reihte sich schließlich auch eine Psychologin in meine lange Ärzteliste
Irgendwann durch Zufall, nachdem ich 4 Jahre lang ALLES versucht habe, nachdem ich mich über mehrere Sommer hinweg zu Hause verkrochen habe und nur zwei Freundinnen in mein Leid eingeweiht hatte, selbst meinen Eltern lange nichts davon erzählte und mich bis ins Letzte schämte, ich zwischendurch trotz allem in der Schule meine neue große Liebe kennen lernte und selbst vor IHM ein halbes Jahr lang versucht hatte, meine Hände zu verstecken, da erst traf ich auf eine Homepage eines Facharztes in München, der sich genau mit dieser Erkrankung auseinander setzt. Vier Jahre lang habe ich alles Mögliche versucht, meine Hände zu verstecken! Wie beim Bezahlen an der Kasse im Supermarkt, wo ich vorher noch schnell die Hände an der Hose abzuwischen versuchte. Händeschütteln zu vermeiden. Und auf die Frage: "Iiiieh, hast du Schwitzehände?" cool zu reagieren… Arbeiten mit Papier? Unmöglich!
Trotzdem habe ich es geschafft mein Abitur zu schreiben – die Klausuren musste ich nach 6 Stunden übelst gewellt abgeben. Mein Zeugnis habe ich mich nicht mal getraut aus der Plastikschutzhülle raus zunehmen und aufzublättern – es hätte sich ebenso gewellt!
Kurz nach meinen Prüfungen habe ich mich bei dem genannten Facharzt in München vorgestellt. Ich war mit meinen Nerven am Ende, ein depressives Wrack und zum ersten Mal wusste wirklich jemand, wovon ich spreche!!!!!
Der Arzt erklärte mir, dass diese sogenannte „Hyperhidrose“ rein gar keinen anderen Grund habe, als einen Gendefekt! Bei Menschen mit dieser Erkrankung ist einfach irgendein Schalter anders umgelegt, als bei anderen Menschen. Bei den einen tritt dies schon im Kindesalter in Erscheinung, bei anderen ab der Pubertät und bei Fällen wie mir erst im jungen Erwachsenenalter.
Im Juli habe ich mich einer speziellen Operation unterzogen, bei der dieser sogenannte Symphatikusnerv an einem bestimmten Knotenpunkt auf Brusthöhe mit Titanklammern abgeklemmt wurde. Jeweils an beiden parallel laufenden Nervensträngen.
Seitdem schwitze ich überhaupt nicht mehr an den Händen, an meinen Füßen weniger und mein Leben hat sich drastisch verändert! Das was mir vorher nicht möglich war – mache ich jetzt mit viel Geduld und Freude: Arbeiten mit meinen Händen! Ob es malen, basteln, werkeln oder nähen ist – ich bin wieder ein vollwertiger Mensch! Jedoch was geblieben ist, ist oft der Rückzug von Menschen. Manche habe ich sehr vor den Kopf gestoßen und Freunde sind mir nur noch wenige geblieben.
Ich weiß nicht wie oft ich zu Hause saß und mir wünschte, morgen nicht mehr aufzuwachen. Wie oft ich dachte, ich sei kein Mensch mehr und vor allem, wie oft ich dachte ich sei mit dieser Krankheit nicht liebenswert! Und ich kann nur sagen, zum Glück hatte (und habe auch immer noch) meinen Freund an meiner Seite, der mir immer wieder mit viiiiiiel Geduld zuhörte und der Mensch war, dem ich mich mit diesem Thema bis ins letzte Detail anvertrauen konnte. Ich habe lange ein Doppelleben geführt: Auf der einen Seite war ich die fröhliche Janine, die gesellig und aufgeschlossen war und auf der anderen Seite – und das war die Seite die nicht mal mir nahe stehende Menschen zu Gesicht bekommen haben – die Janine mit einer Krankheit welche ihr Leben fest im Griff hatte. Deshalb werden sich einige Menschen über dieses Geständnis wundern und dennoch gehe ich diesen Weg, weil ich das Thema „Krankhaftes Schwitzen“ enttabuisieren möchte!!
Ein Buch was mir in der Zeit sehr gut half:
http://www.amazon.de/schwitze-Ursachen-Ph%C3%A4nomene-Therapien-Demand/dp/3898112675/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1289743038&sr=8-1
Link zur Infoseite des Arztes in München:
http://www.dhhz.de/
Link zu einem Beitrag von SternTV zum Thema:
http://www.stern.de/tv/sterntv/laser-therapie-gegen-krankhaftes-schwitzen-hilfe-bei-hyperhidrose-1615346-video.html
IRINA:

e-mail: irina.wambach@gmx.de
Also, Hyperhidrose hab ich schon seitdem ich denken kann. So richtig bewusst ist es mir glaub ich so mit 12, 13 geworden. Ich hab früher geturnt und das musste man barfüssig machen. Meine Fußabdrücke waren überall auf dem Boden.
Später irgendwann haben wir auch noch mit Partnerakrobatik angefangen und da ich die Kleinste war, musste immer ich überall rauf. Da hatte ich dann extreme Berührungsängste und Angst, dass es jemand ekelig findet oder mich drauf anspricht. Wusste ja zu dem Zeitpunkt nicht, dass das viel mehr Menschen haben und nicht nur ich und ich hab ja auch mit keinem darüber gesprochen. Aber ich dachte, da muss ich durch, dagegen kann man ja nix machen. Mein Hobby war mir einfach wichtiger!
Auch das ganz selbstverständliche Begrüßen durch einen Händedruck war eine Qual. Ich musste immer noch mal schön die Hände an der Jeans abtrocknen.
Als ich dann irgendwann meinen ersten Freund hatte, konnte ich auch nicht mit ihm Händchenhalten. Hab aber auch noch nie mit einem meiner Freunde darüber geredet.
Im Sommer war es immer ganz schlimm für mich, wenn alle mit Flip Flops bzw. offenen Schuhen rumgelaufen sind. Bei mir ging das nicht, da ich in denen keinen Halt hatte, ich wäre nur vor lauter Schweiß darin herumgerutscht. Geschweige denn mal schöne, offene, hohe Schuhe anziehen. Mich hat immer jeder gefragt, wie ich es bei der Hitze in den Turnschuhen aushalte!????? Meine Antwort war, dass ich nicht so gern offene Schuhe trage und außerdem meine Füße nicht so schön finde! In meinen Händen haben sich auch nur Pfützen gebildet. Ich war immer mit den Händen an meiner Hose um sie zu trocknen. Beim Sitzen waren die Hände auf dem Schoß zwischen die Beine geklemmt oder unter den Oberschenkeln. Zum verstecken und um den Schweiß abzuwischen.
Urlaube waren auch immer ein Traum, wenn alle gemeinsam den Strand verlassen und den Sand locker flockig von den Füßen putzen. Da hatte ich keine Chance: an meinen Händen und Füßen klebte alles.
Dann hab ich mit 17 meine Lehre in einem Fitnessstudio zur Sport- und Fitnesskauffrau angefangen. Wenn ich Kunden ihn ihrer Haltung korrigieren musste, hab ich immer aufgepasst nur aufs Shirt zu langen, damit sie nicht meine Schweißhände bemerken.
Irgendwie wurde ich mit dem Problem immer mehr konfrontiert und dann ging ich doch mal zum Arzt (Hautarzt). Ich wusste ja nicht, dass das Schwitzen was mit einem Nerv zu tun hat, sonst wäre ich vielleicht noch mal zu einem Neurologen gegangen. Aber ob der mir hätte helfen können wäre auch in den Sternen gestanden, da zu wenige Ärzte über dieses Thema aufgeklärt sind. LEIDER. Der besagte Arzt konnte mir allerdings auch nicht viel weiterhelfen. Zuerst hab ich spezielles Puder verwendet und dann meine Hände und Füße mit einer Aluminiumlösung eingeschmiert. Hat alles nix geholfen.
Pillen wollt ich nicht schlucken und eine Strombadtherapie wäre das Nächste gewesen.
Irgendwann ca. 2008 saß ich mit zwei Freundinnen auf der Terrasse und die eine sagte zur anderen: „Weißt du noch wie ich so arg an den Händen geschwitzt hatte?“ Nur dadurch (man redet einfach nicht so gern darüber wie arg man schwitzt, ist halt kein Unterhaltungsthema) kam ich mit ihr darauf zu sprechen und sie erzählte mir von einer OP in München bei dem Spezialisten Dr. Schick. Der einzige Arzt in Deutschland, der sich auf das Problem spezialisiert hatte.
Ich hab damals gleich einen Infotermin ausgemacht – und den OP-Termin (März 2009) ausgemacht- und ein Problem war schon mal aus der Welt. Hab mich wie frisch geboren gefühlt und konnte es ganz lang noch nicht glauben! Nach einer Woche hab ich wieder ganz normal arbeiten können.
Jetzt gab es nur noch das Problem mit den Füßen. Hab mir schon gedacht, dass ich das auch bald machen lasse, aber dass es dann doch so schnell ging hätte ich nicht gedacht.
Nachdem ich meine erste Ausbildung abgeschlossen hatte, wollte ich mir unbedingt noch den Traum erfüllen und eine Tanzausbildung machen. Das war dann aber nicht so einfach mit Schweißfüßen, da man auch viel barfuß tanzen muss. Es war mal wieder eine rutschige Angelegenheit. Da man da auch viele Kontaktimprovisationen machen muss, konnte ich mich nie ganz darauf konzentrieren, da ich immer damit beschäftigt war, darauf zu achten, dass niemand meine Schwitzefüße berührt.
Dann beschloss ich mit meiner besagten Freundin, dass wir zusammen die Fuß- OPs machen lassen. War ganz lustig zusammen. Kristina und ich waren zu zweit im Krankenhaus in einem 2er Zimmer und haben uns noch mal den letzten zwei OPs unterzogen. Danach hatten wir aber auch die Schnauze voll von Krankenhäusern und waren auch froh endlich schwitzfrei zu sein. :-) Bei unseren ersten OPs lernten wir Janine im Krankenhaus kennen, sie wurde am gleichen Tag für die Hände operiert.
Nach den OPs haben wir erst mal kräftig Schuhe eingekauft. Man fühlt sich einfach anders, wie ein neuer und freier Mensch und man wird auch viel selbstbewusster. Die OPs lohnen sich, sie verändern das ganze Leben………
KRISTINA:

e-mail: Kristina_Reul@mail.de
Hyperhidrose habe ich vermutlich von Geburt an.
Bewusst wahrgenommen habe ich sie jedoch erst in der Schulzeit. Damals habe ich von „meinem“ Arzt weiße Stoffhandschuhe „verschrieben“ bekommen um die Hefte nicht durchzuweichen und vor Blut zu schützen welches durch die extrem rissigen Hände kam.
Eigentlich eine Sache die nicht zusammenpasst. Zu jeder Jahreszeit waren die Hände tropfnass und gleichzeitig ausgetrocknet und rissig. Genauso die Füße, nur die kann man besser verstecken.
Von den Ärzten in Bamberg gab es keine genaue Diagnose und auch keine ausführliche Untersuchung geschweige denn hat jemand den Begriff „Hyperhidrose“ genannt, den hörte ich das erste mal als ich 20 war. So hätte man sich damals schon durch´s Internet kämpfen können, aber ohne Krankheitsbezeichnung keine Internetsuche…
Ich bekam Aluminiumchlorid-Salben verschrieben, welche zu keiner Zeit eine Besserung der HH zeigten. Es war für mich eine Ironie die Hände mit einer Salbe einzucremen, sie ließ sich ja wegen der ganzen Nässe gar nicht erst auftragen! Ich habe die Hände dann vor dem Schlafengehen eingecremt und nachts Handschuhe getragen.
Danach bekam ich ein Wasserbad mit nach Hause, welches mittels eines Gleichstroms das Schwitzen bekämpfen bzw. einschränken sollte. Das erzielte aber auch nicht den gewünschten Erfolg.
Unter den ganzen Ärzten traf ich dann noch auf einen der mir zu Botox riet, ein Nervengift welches in Hände und Füße gespritzt wird, maximal ein halbes Jahr das Schwitzen stoppt und auch noch selbst bezahlt werden muss! Das war auf jeden Fall keine Lösung – zumindest nicht für mich…
Danach war Schluss, ich war bereit (ich kannte es ja auch nicht anders) mit dem Schwitzen zu leben. Es war auch eigentlich nicht schwer, man entwickelt mit der Zeit Tricks durch die kein Mensch die nassen Hände/Füße bemerkt. Es schränkt nur ungemein ein! Man muss nur mal versuchen sich mit tropfnassen Händen zu schminken, etwas zu schreiben ohne ein Handtuch unterzulegen, ein Geschenk einzupacken, eine Zeitschrift zu lesen, usw. usw., geschweige denn jemanden die Hand zu geben… Nie Barfuss laufen zu können (wenn dann nur in den eigenen 4 Wänden und danach den Boden wischen), im Sommerurlaub nicht einfach die Füße von Sand und Schmutz befreien und Schuhe anziehen zu können (das ist nach 5 Minuten alles nur Matsch), keine offenen Schuhe anziehen zu können (damit meist verbunden auch keine Kleider oder Röcke), mit Socken zu schlafen dass die Füße nicht die Bettwäsche unter Wasser setzen, usw. usw…
Als ich meinen Führerschein gemacht habe musste mir der Fahrlehrer Taschentücher geben, die ich zwischen Hand und Lenkrad geklemmt habe. Als ich dann selbst Autofahren durfte habe ich mir angewöhnt nur noch die Handgelenke auf das Lenkrad aufzulegen, dass die Handflächen frei sind und evtl. von der Lüftung etwas getrocknet werden. Genauso wie ich meine Hände zwischen oder unter die Beine klemme wenn ich irgendwo sitze, sie an der Jeans abwische bevor ich jemanden begrüße und meine Füße am Strand im Sand vergrabe! Das alles mache ich sogar heute noch bis mir einfällt dass das vorbei ist :-)
Als ich 20 Jahre (d. h. 2007) alt war fand meine Mutter zufällig(!) im Internet das für die Sendung „Wunderwelt Wissen“ eine Person mit krankhaftem Schwitzen gesucht wird.
Als Gage gäbe es eine OP die das Schwitzen für immer Ausschalten würde!
Natürlich meldete sie mich sofort an. Dann ging auch alles recht schnell, ich bekam einen Gesprächs-Termin bei einem Arzt in München – noch nie gehört aber laut Internet ein Wunderheiler! Und so war es dann auch! (nur nebenbei, der Dreh für „Wunderwelt Wissen“ fand nicht statt, da die „Gage“ - sprich die OP - eh von der Krankenkasse übernommen wurde, die Sendung wurde mit einer anderen Person ausgestrahlt).
Der gute Mann wollte der Hyperhidrose mittels einer Nervenblockade ein Ende setzen.
Die ELS für die Hände verlief gut, stationärer Aufenthalt von 4 Tagen. Die Operation für die Füße wird auf zwei Operationen gelegt, das heißt ein Aufenthalt von 3 Tagen (die erste Nacht darf leider nicht in der Klinik verbracht werden, man kommt erst direkt zur OP), dann ca. 2 – 3 Wochen Wartezeit und noch mal ein stationärer Aufenthalt von 3 Tagen. Die Zeit dazwischen ist etwas seltsam, mit einem trockenen und einem nassen Fuß.
Die Operation „an den Händen“ 2007 und die beiden OP´s „an den Füßen“ im Juli und August 2010 haben sehr viel verändert und ich würde sie jeden Tag wiederholen, trotz des kompensatorischen Schwitzens, den immer noch ausgetrockneten Händen und Füßen sowie Risiken der OP (welche bei mir oberflächliche Taubheit eines Teiles des rechten Oberschenkels waren – sollte sich in ca. einem Jahr wieder reguliert haben).
Mittlerweile schwitzen meine Hände wieder wenn es sehr heiß ist oder ich Sport mache. Das heißt das Schwitzen wurde nicht ganz ausgelöscht aber es wurde normalisiert, weniger als das bei „normalen“ Menschen wahrscheinlich, aber ich denke wenn man sich mal 23 Jahre mit dem Thema „Schweiß“ beschäftigt hat nimmt man ihn viel eher wahr. An den Füßen ist das noch nicht der Fall, da sieht man nicht mal bei 30 Grad und Sport eine Schweißperle, vermutlich weil die Operationen noch nicht so lange her sind.
Das kompensatorische Schwitzen hat sich in den Bereich des Oberkörpers verlagert, was sich darin zeigt, dass bei Hitze oder Anstrengung z.B. der Rücken stärker schwitzt, was auch im Extremfall(!) an der Kleidung zu sehen ist.
Heute, 6 Titanklammern und 20 paar offene Schuhe später, ist die Krankheit besiegt! :-)
Und das ist noch nicht alles, 20 Jahre lang habe ich mit keinem Menschen (außer meinen Eltern und meinem Freund) darüber gesprochen. Wenn mich jemand darauf angesprochen hat, habe ich irgendeinen Quatsch erzählt.
Durch die erste OP habe ich die Scheu davor verloren, ich habe es jedem erzählt der es wissen wollte und somit auch innerhalb kürzester Zeit eine neue Patientin „geworben“.
Ca. ein Jahr später kam auch schon die 2te die es zufällig in einem Gespräch mitbekam. Eine enge Freundin (Irina, siehe oben) und wir wussten nichts voneinander!
Jini Lila - 13. Nov, 18:50
